Konzept für den Förderunterricht zur Integration der SchülerInnen mit Migrationshintergrund
Ziel:
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SchülerInnen mit Migrationhintergrund, die aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse noch nicht erfolgreich am Regelunterricht teilnehmen können, sollen möglichst schnell in die Lage versetzt werden, all die Kenntnisse zu erlangen, die notwendig sind, um in Deutschland einen – möglichst qualifizierten - Schulabschluss zu erlangen. Dabei liegt unser Schwerpunkt auf der Erweiterung der Sprachkenntnisse, auch der fachsprachlichen Kenntnisse. Eine „allgemeine Kommunikationsfähigkeit“ reicht bei weitem noch nicht aus, um den schulischen Anforderungen in den verschiedenen Fächern gerecht zu werden.Â
 Was die Förderung der SchülerInnen mit Migrationshintergrund betrifft, so unterschieden wir zwischen zwei Gruppen: die SeiteneinsteigerInnen und die SchülerInnen mit Migrationshintergrund, die hier geboren sind bzw. den größten Teil ihrer Schulzeit an deutschen Schulen verbracht haben. Bei den SeiteneinsteigerInnen verfügen wir bereits über jahrelange Erfahrung in einem ausdifferenzierten Konzept (Fördergruppen). Die zweite Gruppe fördern wir seit gut einem Jahr. Während dieser Zeit haben wir Erfahrungen gesammelt, die uns dazu veranlasst haben, unser ursprüngliches Konzept in wesentlichen Punkten zu verändern.
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  1. Integration der SeiteneinsteigerInnen
 Seit dem Schuljahr 2005/6 gibt es im Kreis Herford zwei Sprachvorbereitungskurse (Standorte Hauptschule Meierfeld und Hauptschule Bünde), die Sprach-anfängerInnen der Sek. I in Förderklassen aufnehmen, um ihnen die Basiskenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln. Diese Sprachvorbereitungskurse werden von den SchülerInnen so kurz wie möglich besucht (6 – höchstens 12 Monate); danach werden die SchülerInnen an weiterführende Schulen (an die ihnen gemäßen Schulformen) überwiesen, wo sie einerseits am Regelunterricht teilnehmen, zusätzlich aber weiterhin im Bereich DaZ (Deutsch als Zweitsprache) intensiv gefördert werden. Die Otto-Hahn-Realschule ist bislang die einzige Realschule, die diese Förderung für potentielle Realschüler und Gymnasiasten übernimmt. Nachdem wir im Jahre 2000 mit einer Förderklasse gestartet sind (die wir im darauffolgenden Jahr zugunsten von Förderstunden aufgelöst haben), führen wir seit vier Jahren DaZ-Förderunterricht durch, an dem die SeiteneinsteigerInnen neben ihrem Unterricht in den Regelklassen als Unterstützungsmaßnahme teilnehmen müssen. Unsere Maßnahmen zur Förderung der SeiteneinsteigerInnen möchte ich im Folgenden kurz verdeutlichen: Um den SchülerInnen mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen möglichst gerecht zu werden, gehen wir – nachdem die SchülerInnen in den Sprachvorbereitungskursen Basiskenntnisse der deutschen Sprache erworben haben – folgendermaßen vor:Die SchülerInnen werden Regelklassen zugeordnet. Sie besuchen aber nicht eine Klasse des ihnen entsprechenden Jahrgangs, sondern werden ein Jahr zurückgestuft, um ihnen so die Eingliederung zu erleichtern. In der Regel werden sie acht Stunden pro Woche aus dem Regelunterricht herausgezogen. Jede/r SchülerIn bekommt einen individuellen Stundenplan, wobei wir darauf achten, dass der/die SchülerIn die Stunden in der Regelklasse bleibt, während derer zu erwarten ist, dass er/sie den Anschluss bald erreichen wird (z.B. Mathematik, ggf. Englisch, Sport etc.). Bislang haben wir zwei Fördergruppen auf unterschiedlichem Niveau unterrichtet. Die Zahlen der Seiteneinsteiger gehen jedoch kontinuierlich zurück, sodass wir für das kommende Schuljahr planen, in den Förderstunden alle SchülerInnen gemeinsam zu unterrichten (Binnendifferenzierung): Diese acht Stunden Förderunterricht teilen sich folgendermaßen auf:
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Ø  3 Std. DaZ-Förderunterricht (Grammatik-u. Wortschatzarbeit, Sprachniveau 2 u. 3[1], altersgemischte Gruppe)
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Ø     3 Std. selbstständiges Arbeiten (Hier arbeiten alle Seiteneinsteiger – unabhängig von ihrem Niveau - zusammen. Sie arbeiten an individuellen Arbeitsplänen, um ihre persönlichen Defizite zu beheben. Die Lehrkraft bespricht mit einzelnen bzw. mit kleinen Gruppen und klärt noch vorhandene Probleme. Die SchülerInnen können sich gegenseitig unterstützen.
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Ø     2 Std. Textverständnis: Während dieser Stunden geht es um die Vermittlung von Methoden, die den SchülerInnen helfen, literarische Texte oder Sachtexte (unabhängig vom Thema) zu verstehen und zu bearbeiten. Die SchülerInnen der unterschiedlichen Niveaus können auch hier zusammenarbeiten, da die Methoden die gleichen sind. Sie üben an Texten, deren Schwierigkeitsgrad ihren Sprachkenntnissen entspricht. Am Nachmittag erhalten die Schülerinnen folgende Unterstützung:
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Ø     2 Std. Englisch, Niveau 1 (sofern sie keine oder kaum Englischkenntnisse besitzen)
 oder:
 Ø     2 Std. Englisch, Niveau 2 (sofern sie schon Kenntnisse erworben haben, aber noch nicht auf dem Stand ihrer MitschülerInnen im Regelunterricht angelangt sind)
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Ø     4 Std. Hausaufgabenbetreuung: Da es den SeitereinsteigerInnen in der Regel noch schwer fällt, Aufgabenstellungen richtig zu verstehen, da sie oft bestimmte Methoden (z.B. Mind-mapping) noch nicht kennen gelernt haben und natürlich auch während des Regelunterrichts wichtige Informationen nicht in allen wesentlichen Teilen verstanden haben, ist eine Unterstützung bei den Hausaufgaben unerlässlich. Die SchülerInnen werden, sobald es den (Förder-)LehrerInnen sinnvoll erscheint, zunehmend mehr in den Regelunterricht entlassen. Oft erwies sich in der Vergangenheit die Maßnahme als sinnvoll, SchülerInnen, die über ausreichende Kenntnisse verfügten, zunächst aus den 3 Std. DaZ-Unterricht zu entlassen, während der Stunden des selbstständigen Arbeitens aber noch ihre Wortschatzkenntnisse zu erweitern, ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit zu verbessern oder auf besondere Schwächen Bezug zu nehmen. In jedem Fall gehen wir immer – je nach Schülerpersönlichkeit – individuell vor. Die Kommunikation zwischen FörderlehrerIn, KlassenlehrerIn und FachlehrerIn ist dabei unerlässlich. Als Dokumentation dienen uns individuelle Förderpläne. Ihre Leistungen werden den SchülerInnen in die halbjährlichen Zeugnisse dokumentiert, in denen alle Kompetenzen, die sie im Fach DaZ erwerben müssen, aufgelistet sind und den SchülerInnen ihr jeweiliger Lernstand mitgeteilt wird. Zwei - dreimal pro Jahr wird ein ausführliches Gespräch mit den Erziehungsberechtigten geführt.Das entsprechende Stundenkontingent ist im Rahmen der Stellen für Integrationsförderung beantragt.Â
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2.  Integration der SchülerInnen mit Migrationshintergrund, die den größten Teil ihrer Schulzeit an deutschen Schulen verbracht habenÂ
Vor zwei Jahren – mit der Erhöhung der Anzahl der Integrationsstunden - konnten wir diese Gruppe von SchülerInnen erstmals besonders berücksichtigen. Unser Konzept sah vor, für jeden Jahrgang Förderunterricht anzubieten, um so – gekoppelt an den Unterricht in den Regelklassen - den SchülerInnen Unterstützung anzubieten. Wir erwarteten eine höhere Motivation der SchülerInnen am Förderunterricht teilzunehmen, wenn sie die Erfahrung machen können, dass ihnen der Förderunterricht unmittelbar hilft, bessere Ergebnisse im Regelunterricht zu erzielen. Diese Überlegungen gingen aber nur zum Teil auf. Wir stießen an verschiedenen Punkten auf Probleme, die hier nur kurz aufgelistet seien:Â
Uns fehlten für diesen Bereich qualifizierte LehrerInnen.
Die Förderstunden waren nur schwer im Stundenplan unterzubringen, sofern sie nicht – additiv – im Nachmittagsbereich lagen.
V.a. die SchülerInnen der höheren Jahrgänge waren schwer zu motivieren, der Lernzuwachs somit auch nicht zufriedenstellend.
 Die KollegInnen, die für den Förderunterricht zuständig sind, informierten sich bei verschiedenen Schulen über deren Erfahrungen; schließlich gelangten wir zu einem Konzept, in dem schwerpunktmäßig die unteren Jahrgänge berücksichtigt werden und in dem v.a. die Bereiche „mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit“ und „Textverständnis“ gefördert werden. Unser Konzept sieht folgendermaßen aus:Â
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Jahrgänge 5 und 6
Die SchülerInnen des 5. Jahrgangs nehmen gleich zu Beginn des Schuljahres am „Duisburger Sprachstandstest“ teil. Dieser ermöglicht es uns, sehr schnell den besonderen Förderbedarf bei den SchülerInnen festzustellen. Der 6. Jahrgang macht zu Beginn des Schuljahres den „Duisburger Sprachstandstest“ als Re-Test. Dadurch bekommen wir für jede/n SchülerIn die Rückmeldung, welche Erfolge zu verzeichnen sind, bzw. an welchen Punkten nach wie vor Förderbedarf besteht.           Im Jahrgang 5 u. 6 erhalten alle SchülerInnen 5 Stunden Deutschunterricht. Drei dieser Stunden werden dreifach gesteckt. Die SchülerInnen einer Klasse arbeiten in Tischgruppen. Alle SchülerInnen arbeiten am gleichen Thema, dass während der zwei Stunden, die nicht dreifach gesteckt sind, von einem/r KollegIn eingeführt bzw. in kooperativen Unterrichtsmethoden erarbeitet wird. Während der drei Stunden, in denen 3 KollegInnen für eine Schulklasse zuständig sind, wird in Kleingruppen oder in Einzelarbeit an individuellen Arbeitsplänen gearbeitet. Die Arbeitspläne werden von den KollegInnen für die verschiedenen Niveaus unterschiedlich gestaltet. Die Lernvoraussetzungen der einzelnen Kinder werden berücksichtigt. Dieses ist möglich, da jede/r KollegIn für 2 – 3 Tischgruppen verantwortlich ist. Die KollegInnen arbeiten eng als Team zusammen. Mit diesem Konzept entfällt zusätzlicher Förderunterricht im Fach Deutsch. Gleichzeitig ist es auch möglich, die Starken zu fordern. Die SchülerInnen unterstüzten sich gegenseitig, so findet eine soziale Integration statt, wie es uns nie gelingen könnte, wenn wir die Kinder mit Migrationshintergrund während gesonderter Förderstunden aussortieren würden.Das entsprechende Stundenkontingent ist im Rahmen der Stellen für Integrationsförderung beantragt.Â
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Jahrgang 7
Im 7. Jahrgang ist nur noch eine der Deutschstunden dreifach gesteckt. In dieser Stunde wird Textverständnis geübt. Als Hausaufgabe schließt sich eine schriftliche Arbeit an (Es sollte nicht für alle SchülerInnen dieselbe Aufgabe sein!). Diese wird in der kommenden Woche (in der nächsten Textverständnisstunde) eingesammelt und von dem/der LehrerIn korrigiert. Da es sich nur um kleine Gruppen handelt, ist ein solcher Korrekturaufwand leistbar. Die Überarbeitung der Texte durch die SchülerInnen erfolgt bis zur Woche darauf. Einzelberatungen bzw. Beratungen in kleinen Gruppen sind in diesen Stunden möglich.Das entsprechende Stundenkontingent ist im Rahmen der Stellen für Integrationsförderung beantragt.Â
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Die Jahrgänge 8 - 10
Für SchülerInnen mit besonderem Förderbedarf (egal welcher Jahrgangsstufe), die zudem die Motivation haben, selbstständig an der Verbesserung ihrer Sprachkompetenz zu arbeiten, bieten wir pro Woche 20 Minuten Einzelberatung an – gekoppelt an einem individuellen Arbeitsplan, der von dem/der LehrerIn unter Berücksichtigung des besonderen Förderbedarfs des/der SchülerIn entworfen wird und von dem/der SchülerIn bis zur darauffolgenden Woche zu bearbeiten ist. An die Ergebnisse dieses Arbeitsplans schließt sich die individuelle Beratung an. In einem Lernvertrag muss sich ein „förderwilliger Schüler“ für mindestens ein halbes Jahr festlegen.Die KollegInnen schreiben ihre Zeiten auf (3 SchülerInnenberatungen = eine Schulstunde), die dann im kommenden Jahr abgerechnet wird.Das entsprechende Stundenkontingent ist im Rahmen der Stellen für Integrationsförderung beantragt. Â
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Fortbildungen
Um den Unterricht auch für SchülerInnen mit Migrationshintergrund so durchführen zu können, dass sie ihre Sprachdefizite aufholen können und so zu einem guten Schulabschluss gelangen, ist eine Qualifizierung unserer KollegInnen unbedingt erforderlich.   In Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld werden ab Frühjahr 2008 sukzessive diejenigen Teilbereiche des Konzeptes evaluiert, die bereits im Rahmen der Bewilligung der Integrationsförderstunden umgesetzt sind und durchgeführt werden.Â


